Baggerlaufwerk auf Verschleiß prüfen: Laufrollen, Leitrad, Turas und Kettenband beurteilen

Ein einzelnes Verschleißbild reicht nicht aus, um den Zustand eines Baggerlaufwerks sicher zu beurteilen. Kettenband oder Gummikette, Bodenplatten, Laufrollen, Tragrollen, Leitrad, Spanneinheit, Turas beziehungsweise Antriebsrad, Kettenführungen und Laufwerksrahmen arbeiten als System. Prüfen Sie deshalb nie nur das auffällige Teil, sondern immer auch die Bauteile, mit denen es läuft, geführt wird oder ineinandergreift.

Die Prüflogik ist bei Baggern und Minibaggern gleich. Bei Stahlketten stehen Bolzen, Buchsen, Kettenglieder und Bodenplatten im Mittelpunkt. Bei Gummiketten kommen die innere Führung, die Antriebselemente und der Zustand der Gummikette hinzu. Exakte Verschleißgrenzen, Spannmaße und Reparaturvorgaben stammen immer aus den Unterlagen der konkreten Maschine und Laufwerksausführung.

Die technische Zuordnung passender Laufwerksteile für Bagger und Raupenlaufwerke erfolgt über Maschinenmodell, Version, Seriennummer, Referenznummer und die vorhandene Bauteilausführung.

Der folgende Prüfablauf trennt Sichtprüfung, Funktionsprüfung und Messung. So lässt sich einordnen, ob ein Befund zunächst beobachtet werden kann, ein einzelnes Bauteil ersetzt werden muss oder die gesamte Laufwerksseite genauer vermessen werden sollte.

Der Prüfablauf in acht Schritten

Arbeiten Sie das Laufwerk immer in derselben Reihenfolge ab:

  1. Reinigen: Erde, Steine und verdichtetes Material entfernen, damit Laufflächen, Flansche, Zähne und Dichtbereiche sichtbar werden.
  2. Beide Seiten vergleichen: Rollenhöhen, Leitradstellung, Kettenspannung und Kontaktbilder der linken und rechten Laufwerksseite gegenüberstellen.
  3. Kette prüfen: Kettenglieder, Bolzen, Buchsen, Dichtungen und Gelenke kontrollieren. Bei Gummiketten zusätzlich die innere Führung und die Antriebselemente ansehen.
  4. Bodenplatten und Befestigungen prüfen: Lose Schrauben, ausgeschlagene Bohrungen, Risse, Verformungen und ungleichmäßige Steghöhen erfassen.
  5. Rollen prüfen: Laufflächen, Durchmesser, Flansche, Drehverhalten, Spiel und Dichtbereiche von Laufrollen und Tragrollen bewerten.
  6. Leitrad und Spanneinheit prüfen: Führung, Lauffläche, Spiel, Schrägstellung, Spannweg und sichtbaren Schmierstoffverlust gemeinsam beurteilen.
  7. Turas beziehungsweise Antriebsrad prüfen: Zahnprofil, Ausbrüche, Risse, ungleichmäßigen Eingriff und das Kontaktbild mit Kette oder Antriebselementen kontrollieren.
  8. Messen und entscheiden: Auffällige Bauteile mit den modellbezogenen Soll- und Verschleißwerten vergleichen, Nachbarteile prüfen und den Reparaturumfang festlegen.

Fotos und Sichtprüfung zeigen, wo genauer gemessen werden muss. Eine Restlebensdauer lässt sich erst aus Messwerten, Neumaßen und den zulässigen Verschleißgrenzen der konkreten Maschine ableiten.

Technische Übersicht eines Baggerlaufwerks mit markierten Prüfbereichen für Kettenband, Laufrollen, Tragrollen, Leitrad, Turas und Spanneinheit

Bauteile und Prüfpunkte im Überblick

Bauteil Prüfpunkte Mögliche Folgen
Kettenband oder Kettenstrang Kettenglieder, Bolzen, Buchsen, Dichtungen, Gelenkbewegung, Teilung und Laufflächen Unruhiger Lauf, falscher Eingriff am Turas, seitliche Reibung und erhöhte Belastung weiterer Komponenten
Bodenplatten Steghöhe, Risse, Verformung, Schrauben, Muttern, Bohrungen und Auflageflächen Traktionsverlust, lose Verbindung, zusätzliche Hebelkräfte und ungleichmäßige Belastung des Kettenbands
Laufrollen Lauffläche, Durchmesser, Flansche, Schmierstoffaustritt, Drehverhalten, Spiel und Kontaktbild Kette gleitet statt zu rollen, Flanken reiben, Fahrwiderstand und Folgeschäden steigen
Tragrollen Lauffläche, Flansch, Drehverhalten, Spiel, Dichtbereich und Materialansammlung Oberer Kettenstrang läuft unruhig, schleift oder wird seitlich fehlgeführt
Leitrad Lauffläche, seitliche Führung, Spiel, Schrägstellung, Lagerung und Aufnahme Kette läuft seitlich, Spannung verändert sich oder die Leitradführung wird zusätzlich belastet
Spanneinheit Spannweg, sichtbarer Schmierstoffverlust, Kolbenbewegung, Federbereich, Ventil beziehungsweise Anschluss und Verbindung zum Leitrad Kettenspannung lässt sich nicht halten oder das Leitrad steht außerhalb des vorgesehenen Bereichs
Turas oder Antriebsrad Zahnprofil, Zahnflanken, Risse, Ausbrüche, Befestigung und Eingriff in Buchsen beziehungsweise innere Antriebselemente Beschleunigter Buchsen- und Kettenverschleiß, Überspringen, Geräusche und unruhiger Lauf
Kettenführungen und Rahmen Verformung, Risse, lose Bauteile, Kontaktspuren, Fremdkörper und Ausrichtung Wiederkehrende Fehlführung, einseitiger Flanschverschleiß oder Abspringen der Kette

Laufwerk sicher reinigen und dokumentieren

Stellen Sie die Maschine auf einem ebenen, tragfähigen Untergrund ab und sichern Sie sie nach Betriebsanleitung gegen unbeabsichtigte Bewegung. Für Prüfungen unter einer angehobenen Maschinenseite sind ausschließlich die vorgesehenen Hebe- und Abstützverfahren zulässig. Arbeiten Sie niemals unter einer Maschine, die nur hydraulisch gehalten wird.

  • Maschine, Baujahr, Seriennummer, Betriebsstunden und Laufwerksausführung dokumentieren
  • linke und rechte Laufwerksseite vollständig fotografieren
  • auffällige Bauteile vor und nach der Reinigung fotografieren
  • Einsatzbedingungen seit der letzten Prüfung festhalten, zum Beispiel Fels, Sand, Schlamm, Seitenhang oder häufige Rückwärtsfahrt
  • Kettenspannung nur nach dem Messverfahren des Maschinenherstellers erfassen
  • Temperaturunterschiede nur mit einem geeigneten und sicheren Messverfahren prüfen
  • Spanneinheit und andere unter Druck stehende Baugruppen für eine Sichtprüfung nicht zerlegen

Die Reinigung gehört zur Diagnose. Festgesetztes Material zwischen Rollen, Kettengliedern, Leitrad, Turas und Kettenführungen verändert den Kettenlauf und kann wie ein Bauteildefekt wirken. Gleichzeitig verdeckt es Risse, Leckagen und Kontaktspuren.

Die Prüfintervalle richten sich nach Betriebsanleitung, Einsatzbedingungen, Betriebsstunden und bisherigem Verschleißverlauf. Abrasiver Boden, starke Stoßbelastung und wiederkehrende Materialpackung können kürzere Abstände erforderlich machen.

Stahlketten- und Gummikettenlaufwerke unterscheiden

Prüfbereich Stahlkettenlaufwerk Gummikettenlaufwerk
Kette Bolzen, Buchsen, Dichtungen, Kettenglieder, Laufflächen und Längung über die definierte Messstrecke Risse, Schnitte, freiliegende Stahlseile, beschädigte Antriebselemente, innere Führung und Profil
Antrieb Zähne greifen je nach Bauart in Buchsen oder definierte Kontaktbereiche der Stahlkette ein Antriebsrad greift in die inneren Antriebselemente der Gummikette ein
Rollenführung Flansche und Kettengliedgeometrie müssen zusammenpassen Rollen- und Führungsgeometrie müssen zur Innenspur der Gummikette passen
Spannung Modellbezogener Kettendurchhang oder Spannweg Modellbezogenes Spannmaß nach dem Verfahren des Maschinenherstellers
Austauschentscheidung Kette, Turas, Rollen, Leitrad und Bodenplatten als System bewerten Gummikette, Antriebsrad, Rollen, Leitrad, Spanneinheit und Führungen gemeinsam prüfen

Die folgenden Prüfschritte gelten für beide Laufwerksarten. Schäden, Maße, Montage und Spannung von Gummiketten [[LINKZIEL: Kategorie Gummiketten]] werden zusätzlich in den jeweiligen Produktinformationen und in den Vorgaben des Maschinenherstellers behandelt. Die korrekte Spannung erklärt der LIS® WIKI-Artikel Gummikette spannen: Spannung richtig prüfen

Kettenband, Bolzen und Buchsen prüfen

Bei Stahlketten entsteht ein wesentlicher Teil des Verschleißes in den Gelenken aus Bolzen und Buchsen sowie an den Kontaktflächen zu Rollen, Leitrad und Turas. Achten Sie auf trockene oder schwergängige Gelenke, beschädigte Dichtbereiche, ungewöhnliche Wärme, sichtbare Ausbrüche, ungleichmäßige Laufflächen und einen veränderten Eingriff am Antriebsrad.

Der sichtbare Gesamtdurchhang sagt nicht, wie stark Bolzen und Buchsen verschlissen sind. Für die genaue Prüfung wird die vom Hersteller festgelegte Anzahl von Gliedern oder Gelenkpunkten gemessen. Das Ergebnis wird mit Neumaß und Verschleißgrenze der konkreten Kettenserie verglichen. Messstrecke, Belastungszustand und Messpunkt müssen zur Tabelle passen.

Passende Kettenbänder für Bagger und Raupenlaufwerke dürfen deshalb nicht allein nach Teilung oder Gliederzahl ausgewählt werden.

  • Kettenglieder auf Risse, Ausbrüche und ungleichmäßige Laufbahnen prüfen
  • Bolzen- und Buchsenbereiche auf beschädigte Dichtungen, Schmierstoffverlust oder trockene Gelenke prüfen
  • Gelenke auf Schwergängigkeit oder ungleichmäßige Bewegung prüfen
  • Kontaktbild zwischen Buchsen und Turaszähnen auf beiden Laufwerksseiten vergleichen
  • Kettenteilung beziehungsweise Messstrecke nur nach der gültigen Herstelleranweisung bestimmen

Ein stark verschlissenes Kettenband verändert den Eingriff am Turas. Wird nur eines der beiden Teile ersetzt, kann das neue Bauteil auf einem bereits stark eingelaufenen Gegenstück ungünstig eingreifen.

Bodenplatten und Befestigungen prüfen

Bodenplatten übertragen die Maschinenlast auf den Untergrund und sorgen für Traktion. Prüfen Sie Stegprofil, Plattenkörper, Schrauben, Muttern, Bohrungen und Auflageflächen. Lose Verbindungen nicht einfach nachziehen. Kontrollieren Sie zuerst Gewinde, Schraubenkopf, Mutter, Bohrung und Sitzfläche.

  • unterschiedliche Steghöhen innerhalb derselben Laufwerksseite
  • Risse am Steg, Plattenkörper oder im Bereich der Bohrungen
  • verbogene oder seitlich versetzte Bodenplatten
  • lose, fehlende oder beschädigte Schrauben und Muttern
  • ausgeschlagene Bohrungen und auffällige Bewegung zwischen Platte und Kettenglied
  • einseitige Schleifspuren als Hinweis auf seitliche Laufwerksbelastung

Breite Bodenplatten vergrößern auf weichem Untergrund die Aufstandsfläche. Auf festem oder steinigem Boden können sie Kettengelenke, Befestigungen und Führungsflächen stärker belasten. Die passende Bodenplattenbreite richtet sich nach Maschine und Einsatz, nicht nach dem Grundsatz „breiter ist besser“.

Laufrollen am Bagger auf Verschleiß prüfen

Laufrollen für Bagger und Minibagger arbeiten im unteren Kettenstrang. Sie tragen einen großen Teil der Maschinenlast und führen die Kette über Laufflächen und Flansche. Ein Blick auf den Rollenmantel reicht nicht. Kontrollieren Sie auch Rollendurchmesser, Flansche, Dichtbereich, Drehverhalten, Spiel und Kontaktbild.

Lauffläche und Rollendurchmesser

Eine eingelaufene Lauffläche reduziert den wirksamen Rollendurchmesser und verändert die Lastverteilung im Laufwerk. Vergleichen Sie alle Rollen einer Seite und anschließend beide Maschinenseiten. Deutlich unterschiedliche Rollendurchmesser, Laufflächenhöhen oder Kontaktbilder führen zu einer ungleichmäßigen Belastung. Der zulässige Mindestdurchmesser ist bauartabhängig und steht in der passenden Verschleißtabelle.

Flanschverschleiß

Prüfen Sie Innen- und Außenflansche auf einseitigen Abrieb, scharfe Kanten, Riefen und ungewöhnliche Kontaktspuren. Ein auffälliger Flansch belegt nicht automatisch eine falsche Laufrolle. Mögliche Ursachen sind seitliche Fahrt, häufiges Drehen in dieselbe Richtung, falsche Spannung, Leitradschrägstellung, Rahmenverzug, eine nicht passende Rollenbauart oder eine bereits seitlich laufende Kette.

Ölfilm, Leckage und blockierte Rolle

Ein dünner Ölfilm am Dichtbereich belegt allein noch keine undichte Rolle. Reinigen Sie die Stelle und kontrollieren Sie sie erneut. Deutlicher Schmierstoffaustritt, anhaftender Schmutz, zunehmendes Spiel, Geräusche oder schwergängiges Drehen sprechen für einen Dichtungs- oder Lagerschaden.

Eine blockierte Laufrolle muss vor dem weiteren Einsatz geprüft und instandgesetzt werden. Die Kette gleitet über den Rollenmantel, statt abzurollen. Dadurch steigen Reibung, Fahrwiderstand und die Belastung von Kette, Turas und Fahrantrieb. Sichern Sie die Maschine und klären Sie Ursache sowie mögliche Folgeschäden, bevor sie weiter eingesetzt wird.

Laufrolle und Tragrolle unterscheiden

Laufrollen befinden sich im unteren Kettenstrang und tragen die Maschinenlast. Tragrollen sitzen im oberen Laufwerksbereich und stützen beziehungsweise führen den zurücklaufenden Kettenstrang. Im Englischen werden Laufrollen als Track Roller, Bottom Roller oder Lower Roller bezeichnet. Für Tragrollen sind Carrier Roller oder Top Roller gebräuchlich.

Einflansch-, Zweiflansch- und andere Rollengeometrien sind keine frei austauschbaren Qualitätsstufen. Flanschzahl und Geometrie gehören zur Auslegung des Laufwerks. Wählen Sie eine Rolle deshalb nicht allein nach Außendurchmesser oder Befestigungsbild aus.

Tragrollen am Bagger prüfen

Tragrollen für Bagger führen den oberen Kettenrücklauf. Kontrollieren Sie Lauffläche, Flansch, Dichtbereich, Drehverhalten, Spiel und die freie Bewegung des oberen Kettenstrangs. Verdichtetes Material auf dem Rollenrahmen kann die Tragrolle blockieren oder den Kettenlauf anheben.

  • Tragrolle dreht frei und ohne auffällige Geräusche
  • Lauffläche zeigt kein stark einseitiges oder scharfkantiges Verschleißbild
  • Dichtbereich bleibt nach der Reinigung unauffällig
  • oberer Kettenstrang läuft mittig und schlägt nicht gegen Rahmen oder Abdeckungen
  • Befestigung und Rollenaufnahme zeigen keine Risse oder Bewegung

Wenn eine Tragrolle nicht rotiert, gleitet die Kette über ihre Oberfläche. Das kann Lauffläche und Kette beschleunigt verschleißen. Klären Sie außerdem, ob die blockierte Rolle Ursache oder Folge von Materialpackung, Verformung oder falscher Kettenführung ist.

Leitrad und Leitradführung prüfen

Leiträder für Bagger und Minibagger lenken den Kettenstrang um und arbeiten mit Spanneinheit, Leitradaufnahme und Rahmenführung zusammen. Kontrollieren Sie neben der sichtbaren Lauffläche auch die seitliche Führung, das Spiel, die Schrägstellung und den Bewegungsweg.

  • Lauffläche auf Stufen, Riefen und ungleichmäßiges Kontaktbild prüfen
  • seitliche Flächen und Flansche auf scharfe Kanten oder einseitigen Abrieb prüfen
  • Leitradstellung links und rechts vergleichen
  • auffälliges Spiel, Verkanten oder schwergängige Bewegung dokumentieren
  • Leitradaufnahme, Gabel, Führungen und Rahmen auf Risse oder Verformung prüfen
  • Zusammenhang zwischen Leitradstellung, Kettenspannung und Spannweg bewerten

Ein schräg stehendes Leitrad kann die Kette gegen Rollenflansche oder Kettenführungen drücken. Umgekehrt kann eine bereits seitlich laufende Kette das Leitrad zusätzlich belasten. Klären Sie deshalb die Richtung der Ursache: Führt das Leitrad die Kette falsch, oder drückt eine Fehlführung aus Rollen, Rahmen oder Kette gegen das Leitrad?

Spanneinheit und Kettenspannung prüfen

Spanneinheiten und Kettenspanner halten über das Leitrad die vorgegebene Kettenspannung. Je nach Bauart wird die Kette über einen fettbetätigten Spannzylinder oder ein hydraulisches Spannsystem eingestellt. Eine Federbaugruppe nimmt Stoßbelastungen am Leitrad auf. Kontrollieren Sie von außen sichtbare Dichtstellen, Ventil beziehungsweise Anschluss, Kolbenweg, Federbereich, Verbindung zum Leitrad und den verbleibenden Spannweg.

Wiederkehrender Spannverlust kann von der Spanneinheit, einer klemmenden Leitradführung, einer stark verschlissenen Kette oder Materialpackung ausgehen.

  • Kette lässt sich nicht auf Herstellervorgabe einstellen
  • Kette wird nach kurzer Betriebszeit wieder locker
  • Schmierstoff tritt sichtbar aus oder sammelt sich im Spannbereich
  • Leitrad bewegt sich beim Spannen nicht gleichmäßig
  • Spannweg erscheint ausgeschöpft
  • Kette ist trotz weit ausgefahrenem Leitrad zu lose

Das Spannsystem kann unter hohem Druck stehen. Ventile, Schmiernippel, Kolben und Federbaugruppen dürfen nur nach dem freigegebenen Verfahren bearbeitet werden. Pauschale Internetwerte für den Kettendurchhang sind ungeeignet. Verbindlich sind die Angaben für Maschine, Laufwerkssystem, Messposition und Prüfbedingungen.

Turas beziehungsweise Antriebsrad auf Verschleiß prüfen

Der Turas überträgt das Drehmoment des Fahrantriebs auf die Kette. Bei Stahlketten greift das Zahnprofil in die dafür vorgesehenen Ketten- oder Buchsenbereiche ein. Bei Gummiketten greifen die Zähne in die inneren Antriebselemente der Kette ein. Zahnprofil und Kettenteilung müssen als Paar betrachtet werden.

Bei der Zuordnung passender Antriebsräder und Turas für Bagger müssen Zahnzahl, Maschine, Laufwerksausführung und Referenz zusammenpassen.

  • Zähne auf spitze, hakenförmige oder stark asymmetrische Geometrie prüfen
  • Zahnflanken und Stirnseiten auf ungewöhnliche Kontaktspuren prüfen
  • Ausbrüche, Risse, lose Segmente oder beschädigte Befestigungen erfassen
  • Eingriff der Kette über mehrere Zahnpositionen beobachten
  • linkes und rechtes Antriebsrad vergleichen
  • Kettenband, Buchsen beziehungsweise Antriebselemente der Gummikette gleichzeitig prüfen

Bei vielen Bauarten wird der Turasverschleiß über Profilvergleich, Lehren oder modellspezifische Herstellerverfahren beurteilt. Eine universelle Messstelle gibt es nicht. Ein neues Kettenband auf einem stark eingelaufenen Zahnprofil kann den Druck auf Bolzen, Buchsen oder Antriebselemente erhöhen und den Verschleiß beschleunigen.

Kettenführungen, Schutzleisten und Laufwerksrahmen prüfen

Kettenführungen und Schutzleisten begrenzen seitliche Bewegung und schützen das Laufwerk in stoßintensiven Einsätzen. Sie dürfen die Kette jedoch nicht dauerhaft unter Spannung führen. Prüfen Sie Kontaktspuren, Befestigungen, Verformungen, Risse und eingeschlossenes Material.

Schutzleisten und Abdeckungen können Erde oder Steine im Laufwerk festhalten. Wiederkehrende Materialpackung zwischen Kette, Rollen und Führung verändert Spannung und Kontaktbild. Reinigen Sie die Außenseite und alle nach Herstellervorgabe zugänglichen Zwischenräume.

Besonderheiten bei Minibaggern

Die gleichen Prüfgrundsätze gelten für Minibagger. Die kompakte Bauform und der häufige Einsatz von Gummiketten verschieben jedoch die Schwerpunkte:

  • Laufrolle, Leitrad und Antriebsrad müssen zur inneren Führungsgeometrie der Gummikette passen
  • beschädigte Antriebselemente oder innere Führungsbereiche der Gummikette können wie ein Rollen- oder Leitradproblem wirken
  • im kompakten Laufwerksrahmen füllt verdichtetes Material den freien Raum schnell und kann den Kettenlauf beeinflussen
  • häufiges Drehen auf der Stelle und Fahrten über scharfe Kanten belasten Gummikette und Rollenführung
  • vor der Ersatzteilzuordnung eindeutig klären, ob es sich um eine Laufrolle oder Tragrolle handelt

Die Ersatzteilzuordnung darf bei Minibaggern nicht allein über Betriebsgewicht oder äußere Ähnlichkeit erfolgen. Maschinenmodell, Seriennummer, Rollenbauart, Abmessungen und Innenspur der Gummikette müssen zusammenpassen.

Typische Verschleißbilder und der nächste Prüfschritt

Symptom Mögliche Ursachen Nächster Prüfschritt
Laufrolle ist ölig Leichter Dichtfilm, beginnende Leckage, beschädigte Dichtung oder verschmutzter Bereich Reinigen, erneut kontrollieren sowie Drehverhalten, Spiel und tatsächlichen Schmierstoffaustritt prüfen
Laufrolle oder Tragrolle dreht nicht Blockiertes Lager, Materialpackung, Verformung oder interner Schaden Maschine sichern, Rolle nicht weiter unter Last betreiben, Kette und weitere Gegenstücke auf Folgeschäden prüfen
Kette läuft an einem Flansch Falsche Spannung, Leitradschrägstellung, Rollenverschleiß, Rahmenverzug, seitliche Einsatzbelastung oder falsche Rollenbauart Kontaktbild über die gesamte Laufwerksseite prüfen und linke mit rechter Seite vergleichen
Kette springt wiederholt ab Zu geringe Spannung, verschlissene Führung, beschädigte Innenspur, Leitrad- oder Rollenproblem, Fremdkörper oder Rahmenverformung Nicht allein nachspannen. Die Ursache im gesamten Führungssystem bestimmen
Turaszähne sind spitz oder hakenförmig Verschleiß an Zahnflanken, falscher Eingriff, verschlissene Kette oder hoher Rückwärtsfahranteil Kette, Buchsen, Teilung und den gegenüberliegenden Turas mit beurteilen
Kette ist auf einer Seite stärker verschlissen Seitenhang, häufiges Drehen in eine Richtung, einseitige Grabbelastung, Ausrichtung, Spannung oder unterschiedliche Rollenstände Einsatzprofil dokumentieren und beide Laufwerksseiten vermessen
Spannung lässt sich nicht halten Schmierstoffverlust am Spannsystem, defekte Spanneinheit, verschlissene Kette, blockierte Leitradführung oder ausgeschöpfter Spannweg Spannsystem, Leitradbewegung und Kettenmaß gemeinsam prüfen
Laufwerk läuft schwer oder wird ungewöhnlich heiß Blockierte Rollen, zu hohe Spannung, Materialpackung, Fehlführung oder Fahrantriebsproblem Betrieb stoppen, Laufwerk reinigen und Drehverhalten, Temperatur sowie Fahrantrieb prüfen lassen
Bodenplattenschrauben lösen sich Beschädigte Gewinde, ausgeschlagene Bohrungen, falsche Verbindung, verformte Platte oder unzureichende Auflage Verbindung vollständig prüfen und Montagewert aus der Maschinenunterlage verwenden
Klappern, Schlagen oder periodisches Geräusch Loses Bauteil, beschädigter Zahn, steifes Gelenk, ungleichmäßige Rolle oder falscher Ketteneingriff Geräusch nur bei sicherer, langsamer Bewegung eingrenzen und die Maschine anschließend sichern
Technische Darstellung typischer Verschleißbilder an Laufrolle, Leitrad, Turas und Kettenband mit Hinweisen zur weiteren Prüfung

Sichtprüfung und Verschleißmessung trennen

Die Sichtprüfung entscheidet, wo genauer gemessen werden muss. Sie ersetzt die Messung nicht. Für eine Restlebensdauer in Prozent sind mindestens ein definierter Messpunkt, das Neumaß, die Verschleißgrenze und die passende Systemzuordnung erforderlich.

Prüfmethode Geeignet für Grenze der Methode
Sichtprüfung Risse, Ausbrüche, lose Teile, Leckage, scharfe Kanten, Materialpackung und grobe Fehlstellung Keine belastbare Prozentangabe zur Restlebensdauer
Funktionsprüfung Drehverhalten, Geräusch, Spiel, Kettenlauf, Spannverlust und auffällige Wärme Nur unter sicheren Bedingungen und nach Herstellervorgabe
Maßprüfung Rollendurchmesser, Flanschmaße, Kettenmessstrecke, Buchsenmaß, Leitradprofil und Bodenplattenhöhe Messpunkt und Grenzwert müssen exakt zur Komponente passen
Profil- oder Lehrenvergleich Turaszähne, Leitrad- oder Rollenprofile, wenn der Hersteller ein Verfahren vorgibt Keine Übertragung einer Lehre auf eine andere Teilung oder Baureihe
Qualifizierte Laufwerksvermessung Verschleißverteilung, Restlebensdauer und Reparaturplanung Benötigt definierte Messverfahren und passende Referenzdaten

Messschieber, Bandmaß, Tiefenmaß, Profil- oder Ultraschallmessgerät können je nach System sinnvoll sein. Das richtige Werkzeug allein genügt nicht. Messpunkt, gereinigte Oberfläche, Messrichtung und Referenztabelle müssen ebenfalls stimmen.

Austauschumfang festlegen: Einzelteil, Baugruppe oder Laufwerksseite

Ein Einzeltausch ist vertretbar, wenn der Schaden klar begrenzt ist, seine Ursache behoben wurde und die übrigen Komponenten innerhalb der zulässigen Werte liegen. Ein kompletter Satztausch ist nicht bei jedem einzelnen Befund notwendig. Umgekehrt kann ein vermeintlich günstiger Einzeltausch unwirtschaftlich sein, wenn mehrere Komponenten bereits ein gemeinsames Verschleißprofil aufgebaut haben.

  • Bei einer einzelnen blockierten Rolle alle übrigen Rollen, Kette und Kontaktflächen prüfen.
  • Bei deutlich unterschiedlichen Rollendurchmessern die Lastverteilung über die gesamte Laufwerksseite bewerten.
  • Bei einer neuen Kette prüfen, ob eingelaufene Kontaktflächen an Turas, Leitrad, Rollen oder Führungen die neue Kette ungünstig belasten.
  • Bei wiederkehrendem Spannverlust Spanneinheit, Kettenmaß und Leitradführung gemeinsam beurteilen.
  • Bei unterschiedlich verschlissenen Laufwerksseiten Einsatzprofil, Ausrichtung und Maschinenkonfiguration dokumentieren.

Ziel ist der kleinste Reparaturumfang, der wieder ein technisch stimmiges System herstellt. Das kann ein Einzelteil, eine Laufwerksseite oder ein größerer abgestimmter Umfang sein.

Neue Kette mit gebrauchten Rollen und altem Turas

Eine neue Kette kann mit weiterverwendeten Rollen, Leiträdern und Antriebsrädern kombiniert werden, wenn diese innerhalb der zulässigen Maße liegen und ein gleichmäßiges Kontaktbild besitzen. Ein stark eingelaufener Turas belastet die neue Kette an den Zahnflanken ungünstig. Deutlich unterschiedliche Laufrollendurchmesser verändern zusätzlich die Lastverteilung.

Prüfen Sie vor der Montage einer neuen Kette oder Gummikette mindestens Turas, Leitrad, Laufrollen, Tragrollen, Spanneinheit und Führungen. Aus dem Alter der Teile allein folgt weder ein Kompletttausch noch eine Freigabe zur Weiterverwendung. Ausschlaggebend sind Messwerte und Kontaktbild.

Die sichere Demontage, Montage und anschließende Laufwerkskontrolle beschreibt der LIS® WIKI-Artikel Gummikette wechseln.

Warum verschleißt ein Baggerlaufwerk einseitig?

Einseitiger Verschleiß ist ein Befund, noch keine eindeutige Diagnose. Mögliche Ursachen liegen in Einsatz, Gelände, Fahrweise, Maschinengeometrie oder Bauteilzustand:

  • häufiges Arbeiten mit derselben Maschinenseite unter Last
  • dauerhaftes Fahren oder Arbeiten am Seitenhang
  • häufiges Drehen in dieselbe Richtung
  • hoher Anteil an Rückwärtsfahrt oder schnellen Umsetzfahrten
  • Kettenschlupf und scharfes Wenden auf tragfähigem Untergrund
  • unterschiedliche Kettenspannung links und rechts
  • Leitradschrägstellung, Rollenverschleiß oder Rahmenverzug
  • Materialpackung nur auf einer Seite
  • zu breite oder ungleichmäßig verschlissene Bodenplatten

Die Lage der stärksten Abnutzung liefert Hinweise auf die Belastungsrichtung. Sie beweist jedoch keinen einzelnen Defekt. Vergleichen Sie deshalb vordere und hintere Rollen, Innen- und Außenflansche, Leitrad, Turas, Kettenführung und Einsatzprofil.

Wann muss die Maschine aus dem Einsatz genommen werden?

Stoppen Sie den Betrieb, sobald die Kette nicht mehr sicher geführt wird oder ein Bauteil brechen, blockieren oder sich lösen kann. Dazu gehören insbesondere:

  • Risse oder Brüche an Kettengliedern, Leitrad, Turas, Rollenaufnahme oder Laufwerksrahmen
  • gebrochene oder lose Turaszähne und Segmente
  • blockierte Rollen oder auffällige Wärme im Rollenbereich
  • wiederholtes Abspringen oder sichtbare Fehlführung der Kette
  • deutlicher Schmierstoffverlust an Rolle, Leitrad oder Spannsystem
  • lose oder gerissene Bodenplatten und Befestigungen, bei denen sich Teile lösen können
  • Spanneinheit hält die vorgeschriebene Spannung nicht
  • ungewöhnliche Schlag-, Mahl- oder Knackgeräusche mit ungeklärter Ursache

Diese Liste ersetzt keine Sicherheitsbeurteilung des Maschinenherstellers. Bei Unsicherheit gilt: Maschine sichern, nicht weiter belasten und qualifiziert prüfen lassen.

Welche Daten benötigt LIS® für die Zuordnung von Laufwerksteilen?

  • Maschinenhersteller und vollständige Modellbezeichnung
  • Version, Baujahr und Seriennummer
  • Betriebsstunden und bisheriger Reparaturumfang
  • Stahlkette oder Gummikette und genaue Laufwerksausführung
  • vorhandene Referenznummern auf Rollen, Leitrad, Turas oder Spanneinheit
  • Gesamtfotos beider Laufwerksseiten sowie Detailfotos der auffälligen Bauteile
  • Kettenteilung, Gliederzahl, Bodenplattenbreite und Bodenplattenausführung bei Stahlketten
  • Breite, Teilung, Gliederzahl und Innenspur bei Gummiketten
  • Anzahl und Flanschform der Laufrollen und Tragrollen
  • Zahnzahl und Bauform des Antriebsrads beziehungsweise der Segmentgruppe
  • Maße nur an den in Zeichnung oder Herstellerunterlage definierten Punkten
  • Beschreibung von Geräusch, Spannverlust, Fehlführung oder einseitigem Verschleiß

Eine Modellbezeichnung allein reicht häufig nicht. Innerhalb einer Baureihe können Laufwerksbreite, Rollenbauart, Kettenserie und Spannsystem abweichen. LIS® gleicht deshalb Referenznummer, Seriennummer, Zeichnung und vorhandenes Bauteil gemeinsam ab.

Kurzcheck für Werkstatt und Maschinenprüfung

  • Maschine standsicher abgestellt und gegen Bewegung gesichert
  • Maschine und Laufwerksausführung eindeutig dokumentiert
  • Laufwerk gereinigt und Materialpackung entfernt
  • linke und rechte Laufwerksseite vollständig verglichen
  • Kettenband oder Gummikette auf Schäden und passenden Eingriff geprüft
  • Bodenplatten und Befestigungen kontrolliert
  • alle Laufrollen auf Lauffläche, Flansch, Schmierstoffaustritt, Spiel und Drehverhalten geprüft
  • Tragrollen und oberen Kettenlauf geprüft
  • Leitrad, Führung und Leitradstellung beurteilt
  • Spanneinheit, Spannweg und Kettenspannung nach Herstellervorgabe geprüft
  • Turas beziehungsweise Antriebsrad gemeinsam mit der Kette beurteilt
  • Kettenführungen, Schutzleisten und Laufwerksrahmen geprüft
  • auffällige Bauteile an definierten Messpunkten vermessen
  • Befunde mit Fotos, Messwerten und Maschinenangaben dokumentiert

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